Von Maastricht führt uns die Reise ins nur knapp 40 km entfernte Lüttich, eine der geschichtsträchtigsten und zugleich modernsten Städte Belgiens. Historisch war sie Bischofsstadt, Zentrum des Hochstifts Lüttich, während sie heute als Kunst- und Kulturstadt sowie wichtiger Verkehrsknotenpunkt glänzt.

Lüttich entstand am Ufer der Maas aus frühen Siedlungen und wurde im Frühmittelalter zur Bischofsstadt, nachdem der heilige Lambert dort ermordet wurde. Die Stadt war Sitz eines Fürstbistums und wurde im Mittelalter mehrfach geplündert, etwa durch Karl den Kühnen im Jahr 1468, was das Ende der mittelalterlichen Stadt bedeutete. Nach der Lütticher Revolution 1789 wurde Lüttich französisch, verlor seine Lambertuskirche. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Region zum Zentrum der Schwerindustrie, was die Stadt stark prägte.

Lüttich hat rund 196.000 Einwohner (2024) und ist das kulturelle Zentrum der Wallonie mit Universitäten, Theater und Opéra Royal. Besondere Sehenswürdigkeiten sind.

Der Neubau des Bahnhofs Lüttich-Guillemins ist ein herausragendes Beispiel moderner Architektur und ein bedeutender Infrastruktur-Knotenpunkt für die Stadt. Der alte Bahnhof, der ursprünglich 1863 und zuletzt 1958 modernisiert wurde, war für die Anforderungen des Hochgeschwindigkeitszugverkehrs (TGV, Thalys, ICE) nicht mehr geeignet.

Nach einem internationalen Architekturwettbewerb erhielt der spanische Stararchitekt Santiago Calatrava 1996 den Zuschlag für den Neubau. Das spektakuläre Bahnhofsgebäude entstand durch eine komplexe Glas-Stahl-Konstruktion mit geschwungenen geometrischen Formen, die sich wie ein dynamischer Bogen 200 Meter lang und bis zu 40 Meter hoch über die Gleisanlagen spannt. Die besondere Konstruktion soll das Gefühl von Offenheit und Transparenz vermitteln; traditionell geschlossene Fassaden fehlen.

Der Neubau, der 2009 eröffnet wurde, gilt heute als Wahrzeichen der Stadt Lüttich und als eines der meistfotografierten Gebäude der Region. Er verbindet Lüttich direkt mit Metropolen wie Brüssel, Paris, Köln, London und Amsterdam und dient täglich etwa 36.000 Reisenden. Zugleich trug der moderne Bahnhof entscheidend zur Aufwertung des Viertels Guillemins und zur städtebaulichen Entwicklung bei, unter anderem durch einen neugestalteten Vorplatz, neue Parkhäuser und die Fußgängerbrücke zur Maas.

Der fürstbischöfliche Palast in Lüttich zählt zu den bedeutendsten historischen Bauwerken der Stadt und war über Jahrhunderte das politische und geistliche Zentrum des Fürstbistums Lüttich.

Bereits um das Jahr 1000 ließ Bischof Notger an der Stelle des heutigen Palastes die erste fürstbischöfliche Residenz errichten. Dieses Gebäude war ein Teil der Befestigungsanlagen der Stadt und fiel 1185 einem Brand zum Opfer. Das heute sichtbare Gebäude geht auf den Fürstbischof Erard de la Marck zurück, der zwischen 1514 und 1538 einen spätgotischen Neubau errichten ließ. Dieser Neubau prägte das Erscheinungsbild des Palastes, insbesondere mit einem ersten Innenhof, der von gotischen Kreuzgewölben und individuell dekorierten Säulen umgeben ist.

Heute beherbergt der Palast neben beeindruckenden historischen Interieurs und Innenhöfen die Justizbehörden sowie die Verwaltung der Provinz Lüttich. Die Verbindung von Renaissance-Grundriss, gotischer Ornamentik und spätere klassizistische sowie neugotische Elemente spiegelt die lange und wechselvolle Baugeschichte wider.

Der Palast ist besonders bekannt für seinen Innenhof mit 60 individuell gestalteten Säulen, die unter anderem von der humanistischen Renaissance und der Entdeckung der Neuen Welt inspiriert sind[4]. Die Fassaden zeigen eine reiche Ausstattung mit Skulpturen, Reliefs und Wappen, die die Geschichte und die Identität der Stadt Lüttich dokumentieren.

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